Im Jahre 1995 wurde nach einer etwa 25 Jahre dauernden Entwicklung das Globale Navigationssatellitensystem (GNSS) der USA unter der Bezeichnung GPS offiziell in Betrieb genommen. Das als Dual-Use-System konzipierte GPS wird weltweit genutzt. Die zivile Nutzung überwiegt.
Im Jahr 2011 gibt es ein weiteres GNSS: das von der russischen Föderation betriebene GLONASS, auch ein Dual-Use-System. GLONASS, dessen Entwicklung in den 1980er-Jahren begann, ist mit 27 Satelliten so gut wie voll ausgebaut. Es wird heute vor allem gemeinsam mit GPS genutzt – auch in Russland.
Die Bedeutung der GNSS-Technologie geht weit über den Bereich von Vermessung und Ortung hinaus. Eine Unterbrechung von GNSS-Diensten stellt eine Bedrohung für Wirtschaft und Sicherheit dar. Daher bauen zum Erhalt ihrer Sicherheit und Souveränität die Europäische Union (EU) und China seit einigen Jahren eigene GNSS auf. Bei beiden Systemen soll die volle Betriebsbereitschaft im Jahr 2015 erreicht sein.
Damit stehen voraussichtlich in wenigen Jahren Signale von ca. 120 Navigationssatelliten zur Verfügung. Auf jedem Punkt der Erde können dann kostenfreie Signale von mindestens 16 Satelliten gleichzeitig genutzt werden, weit mehr, als unter rein technischen Gesichtspunkten erforderlich sind. Die zusätzlich noch vorhandenen regionalen satellitengestützten Ergänzungssysteme zu den GNSS, wie EGNOS für Europa, WAAS für die USA, GAGAN für Indien und QZSS für Japan, sind dabei nicht mitberücksichtigt.
GNSS sind hocheffiziente Werkzeuge zur Beschaffung von Orts-, Geschwindigkeits- und/oder Zeitinformationen. Das Buch vermittelt Praktikern und Studierenden die Grundkenntnisse, die zum Verständnis der GNSS-Technologie erforderlich sind. Ziel der Darstellung ist es, Anwendern ein Urteil darüber zu ermöglichen, ob GNSS zur Lösung ihrer Probleme geeignet sind. Zu diesem Buch gibt es die Website
http://www.vermessung-und-ortung-mit-satelliten.de/. Die dort zur Verfügung stehenden Excel-Tabellen und -grafiken sollen helfen, einige Aspekte der GNSS-Technologie leichter zu verstehen. Darüber hinaus bietet diese Website Informationen rund um das Thema GNSS.
Zum Autor:
Prof. Dipl.-Ing. Manfred Bauer, Jahrgang 1941, Studium des Vermessungswesens an der Universität Bonn. 1972 – 1979 Dezernent bei der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Hamburg. Seit 1979 Dozent für Vermessungswesen an der FH Hamburg. Seit 1986 Vorlesungen über praxisrelevante Verfahren der Satellitengeodäsie. Durchführung von Weiterbildungskursen über GPS am Institut für Kontaktstudien der FH Hamburg. 1994 Gastvorlesung an der Moskauer Hochschule für Geodäsie (MIGAIIK). Mitwirkung bei Transit und GPSKampagnen im In- und Ausland. Untersuchung von Navigationsempfängern, RTK-Systemen sowie geodätischer GPS-Auswertesoftware verschiedener Hersteller. Seit April 2006 im Ruhestand.