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2.1.2.2 Möglichkeiten und Grenzen der räumlichen Planung zur Reduzierung des Verkehrs

Motzkus, Arnd

2004-10

2. Grundlagen des kommunalen Verkehrs

18

39. Ergänzungslieferung

Ordner 1

Siedlungs- und Verkehrsentwicklungen sind untrennbar miteinander verbunden. Das Verkehrswachstum ist sowohl Folge als auch Ursache der Suburbanisierung und Siedlungsdispersion. Die Siedlungsstrukturen sowie ihre verkehrsinfrastrukturelle Erschließung stellen die physischen Voraussetzungen für die Erzeugung von Verkehr dar. Planungsleitbilder wie die Trennung von Funktionen und Verkehrsarten oder die autogerechte Stadt sowie die öffentliche und private Massenmotorisierung legten die Grundsteine für die Suburbanisierung und das Verkehrsleistungswachstum in Deutschland. Der damit verbundene Verkehrsinfrastrukturausbau zog eine weitere Ausdehnung und Zersiedlung des städtischen Siedlungsraumes in der Fläche und Peripherie nach sich. Ein wesentlicher Teil dieser verkehrsauslösenden Entwicklung ist nur deshalb in so hohem Maße in Gang gesetzt worden, weil die Entscheidungen und Planungen (der Haushalte, Investoren und Planer) die Erschließung der Siedlungsstrukturen mit dem Auto apriori voraussetzten . Das darin zum Ausdruck kommende Prinzip einer Anpassung der Stadt- und Siedlungsstruktur an den Erfordernissen des Verkehrs ist nach den heutigen Vorstellungen von einer nachhaltigen Verkehrs- und Siedlungsentwicklung nicht mehr zeitgemäß. Eine räumlich wirksame Gestaltung und Beeinflussung des Verkehrs erfordert primär die Berücksichtigung der Abhängigkeit des Verkehrs von der Siedlungsstruktur sowie der dem Verkehr vorgelagerten Siedlungsstrukturen: "Es ist nicht der Verkehr, der über die Stadt entscheidet (...), es ist die Stadtstruktur, die den Verkehr definiert (...), die Stadtstruktur muss so bestimmt sein, dass Verkehr vermieden, nicht erzeugt wird". Grundlage dieser Maxime ist das Ziel der Reduzierung des (motorisierten) Verkehrs durch eine verkehrssparende Verteilung und Zuordnung von Flächennutzungen und Funktionen. Nach diesem Verständnis bedeutet eine verkehrsreduzierende Siedlungsplanung zum einen, dass die Siedlungsplanung die verkehrlichen Auswirkungen von vornherein berücksichtigt. Zum anderen, dass die Verkehrsplanung nicht nur auf die Bereitstellung eines nachholenden oder vorauseilenden Straßeninfrastrukturbaus fixiert ist. Beide Planungen müssen miteinander verknüpft und aufeinander abgestimmt werden. Die Umsetzung einer solchen Integration der Verkehrs- und Siedlungsplanung ist in der Planungspraxis nicht ausreichend.

Integrierte Siedlungs- und Verkehrsplanung, Raumplanung, Raum-Zeit-Struktur, Siedlungs- und Verkehrspolitik, Siedlungsstruktur, Verkehrs-, Umweltrecht, Verkehrsbeschränkungen, Verkehrsentwicklung, Verkehrserzeugung, Verkehrsinfrastruktur, Verkehrsleistung, Verkehrsplanung, Verkehrsvermeidende Raumstrukturen