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3.3.9.6 Stadt der kurzen Wege

Feldtkeller, Andreas

2008-06

3. Verkehrspolitik, Verkehrsplanung, Verkehrssysteme, Verkehrsgestaltung

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51. Ergänzungslieferung

Ordner 3

Weder der Unterschied zwischen Stadt und Land noch derjenige zwischen 'Kernstadt' (Zentrum) und Umland (Peripherie) ist heute noch geeignet, den geographischen Zustand und die gesellschaftlichen Veränderungen von Städten und Stadtregionen annähernd realistisch zu beschreiben. Dazu ist zusätzlich eine Betrachtung von Teilgebieten (Quartieren, Vierteln, Stadtteilen, Stadtgebieten, Siedlungen usw.) notwendig, aus denen das Siedlungsgefüge zusammengesetzt ist. Und da sehen wir heute ein Mosaik aus Gewerbearealen, Einkaufsorten, Wohnsiedlungen, Hochschulquartieren, Freizeitzonen usw. Je näher wir den historisch gewachsenen Stadtzentren kommen, desto dichter rücken diese spezialisierten Gebiete zusammen. Was wir kaum noch sehen und vor allem kaum noch wahrnehmen, sind Quartiere, die nicht dem Gesetz der Spezialisierung unterworfen sind, sondern die noch offen sind für eine große Vielfalt ganz unterschiedlicher Nutzungen, und die aus dieser Vielfalt eine eigene Alltags-Lebendigkeit beziehen. Solche Stadt-Quartiere lieferten bis vor etwa hundert Jahren das normale Grundmodul des städtischen Siedlungsgefüges. Seit der Erfindung der fordistischen Gliederung und im Zusammenhang mit dem enormen Wachstum der Stadtregionen während der Industrialisierung ist der Anteil dieser Mannigfaltigkeits- Module in den Städten und Stadtregionen auf einen kleinen Restbestand geschrumpft. Die Bezeichnung 'Stadt der kurzen Wege' wurde geprägt, um am Übergang von der Industriegesellschaft zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft den originären Dualismus des Städtischen aus einerseits lokaler (funktionaler) Spezialisierung und andererseits lokaler Offenheit für (funktionale) Vielfalt wieder ins Bewusstsein zu rufen und in die städtebauliche Praxis zurückzuholen.

Alltagsmobilität, Flächensteuerung, Image des zu Fuß Gehens, Lebensweise, Leitbilddiskussion, Nachhaltigkeit, Nahmobilität, Nutzungsmischung, Planungsprozess, Siedlungsstruktur