Szenarien für die Kosten- und Wirtschaftlichkeitsberechnung für eine Erschließung der HVT und Nahbereich-KVZ mit Vectoring

Konferenz: Breitbandversorgung in Deutschland - 10. ITG-Fachkonferenz
18.04.2016 - 19.04.2016 in Berlin, Deutschland

Tagungsband: ITG-Fb. 262: Breitbandversorgung in Deutschland

Seiten: 5Sprache: DeutschTyp: PDF

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Autoren:
Selle, Frank (seim & partner, 65232 Taunusstein, Deutschland)

Inhalt:
Seit Jahren führen wir in Deutschland eine (zu Teilen auch durch politische Zielsetzungen getriebene) Debatte über den richtigen Weg zu einer flächendeckenden Breitbandversorgung. Neben den Forderungen der Politik „an den Markt“ ist ein Teil der Debatte das „Versprechen“ der Deutschen Telekom, mittels Vectoring einen signifikanten Beitrag zur deutschen Breitbandversorgung zu leisten. Die Deutsche Telekom formuliert dabei, dass die ihrerseits angebotene Investition zur Erschließung aller Hauptverteiler (HVT) und Nahbereich-Kabelverzweiger (KVz) zu weiten Teilen unprofitabel sei. Darüber hinaus nennt sie als Investitionshöhe ca. 1 Mrd. €. Beide Aussagen lassen sich anhand der durchgeführten Modellrechnungen nicht nachvollziehen. Im wahrscheinlichsten Szenario ergibt sich auf Grundlage kostenanalytischer Betrachtungen eine Investition in Höhe von ca. 759 Mio. €. Insofern wäre kritisch zu verifizieren, inwieweit das Angebot der Telekom das kostengünstigste ist. Für die Rückzahlungsdauer der Investition ergibt sich für das wahrscheinlichste Modell ein Zeitraum von weniger als einem Jahr (0,79 Jahre oder 9,5 Monate), im zweiten Modell ergibt sich eine Rückzahlungsdauer von etwas mehr als einem Jahr (1,07 oder 13 Monate). Das Liquiditätsrisiko ist mit weit weniger als zwei Jahren Rücklaufzeit bei einer anzunehmenden Nutzungsdauer der Investition von mindestens 8 Jahren vernachlässigbar. Auch unter der Annahme einer ineffizienten Leistungserbringung ohne Migration der Bestandskunden und ohne Umsätze aus Wholesale-Verträgen erscheint eine Refinanzierung innerhalb von ca. 3 Jahren (2,97) realisierbar. Das EBIT (Ergebnis vor Steuern und Zinsen) für die Gesamtinvestition liegt je nach Modellannahme bei kosteneffizienter Leistungserbringung summiert nach zwei Jahren zwischen maximal ca. 1,94 Mrd. € und im „worst case“ bei minimal ca. 468 Mio. €. Insoweit lassen sich einerseits die Angaben der Deutschen Telekom zur fehlenden Profitabilität nicht nachvollziehen. Im Gegenteil erscheint diese Investition äußert lukrativ. Darüber hinaus wäre zu prüfen, ob und inwieweit die Angaben zur Investitionshöhe nachvollziehbar sind. Ein Ausbau im Wettbewerb verspricht Kostensenkungspotentiale, die durch eine europaweite Ausschreibung des Ausbaus der HVT und Nahbereiche realisierbar wären.